Museen sind Orte der Wahrnehmung. Sie präsentieren der Öffentlichkeit Sammlungen von Kulturgütern. Das Schachspiel stellt aufgrund seiner reichen Historie, seiner vielschichtigen Bedeutung und seiner weltweiten Verbreitung ein besonders wertvolles Kulturgut dar. Daher nimmt es zurecht einen Platz in zahlreichen Museen ein. Und einige Museen der Welt sind sogar nur dazu bestimmt, um das Schachspiel ins Schweinwerferlicht zu rücken.
In Deutschland ist an erster Stelle das Schachmuseum Ströbeck zu nennen. Mit seiner Eröffnung im Jahr 1991 konnten sich die Ströbecker einen langen Traum erfüllen. Kein anderer deutscher Ort scheint dafür geeigneter als ein Dorf, das offiziell „Schachdorf“ heißt und in dem seit über 1.000 Jahren Schach gespielt wird. Besonders erwähnenswert sind sind die Darstellungen der speziellen Ströbecker Schachregeln wie die „Ströbecker Tabiya“ (veränderte Grundaufstellung), das Kurierschachspiel und besondere Schachfiguren wie der „Schleich“.

Gut 110 Kilometer weiter, ebenfalls in Sachsen-Anhalt, befindet sich das Schachmuseum Löberitz. Die Schachtradition wird dort seit der Vereinsgründung im Jahr 1871 gelebt. Der ganze Stolz des Museums ist das Buch „Das Schach- oder König-Spiel“ von Gustavus Selenus aus dem Jahre 1617. Es gehört zu den bekanntesten und wichtigsten Zeugnissen der deutschen Schachliteratur. Verfasser ist Herzog August der Jüngere von Braunschweig–Lüneburg, der das Buch unter dem Pseudonym Gustavus Selenus schrieb.

Die Schweiz bietet mit dem Schachmuseum in Rain bei Luzern (früherer Standort: Kriens) ebenfalls einen Ort für Schachkultur auf. Der Verein Schweizer Schachmuseum zeigt nach eigenen Angaben 32.000 Exponate wie Schachfiguren, Briefmarken, Uhren, Bücher und vieles mehr. Wissenswertes zur Herkunft des Schachspiels, Spielarten wie etwa Blindenschach, Schach und Musik, Schach und Numismatik, Schachcomputer und vieles mehr wird vermittelt. Aktuell ist das Museum jedoch geschlossen.

Österreich wartet aktuell mit dem kleinen, aber feinen Schachmuseum Altmünster am Traunsee auf. Auf einer Fläche von 100 m² werden derzeit 219 Schachspiele, vom alten Bauernschach bis zum modernen Designerschach gezeigt. Schachspiele aus allen Kontinenten der Welt und deren Vielfalt in den verschiedensten Kulturkreisen wurden über Jahrzehnte familiär gesammelt und haben dort einen Platz gefunden.

Eine Nummer größer geht es in Saint Louis in den USA zu. Dort befindet sich seit 2010 die „World Chess Hall of Fame„, finanziert von Mäzen Rex Sinquefield. 40 Spieler wie Capablanca, Spasski und Kasparov gehören zur „Hall of Fame“. Gezeigt werden Artefakte aus der ständigen Sammlung des Museums und temporäre Ausstellungen, die die großen Spieler, historische Partien und die reiche Kulturgeschichte des Schachs hervorheben. Vor dem Museum befindet sich zudem die größte Schachfigur der Welt.

Das Schachmuseum Moskau befindet sich im berühmten „zentralen Haus des Schachspielers“. Seit seiner Eröffnung ist das Moskauer Museum für seine einzigartige Atmosphäre und sein einzigartiges Schachzubehör bekannt. Die Grundlage für die Exponate im Schachmuseum am Gogolevsky Boulevard bilden die Sammlungen von Vyacheslav Dombrovsky. Zu seinen Lebzeiten sammelte er alles, was mit Schach zu tun hatte, von Fotografien berühmter Schachspieler bis hin zu Schachfiguren in allen Farben des Regenbogens.

Elista ist die Hauptstadt der Teilrepublik Kalmückien in Russland und Schauplatz der Schacholympiade 1998 sowie des WM-Kampfes Kramnik-Topalov 2006. Initiator und Sponsor des Museum of Chess Glory ist der Ex-FIDE-Präsident Kirsan Ilyumzhinov. Das Museum würdigt insbesondere die Verdienste des 8. Weltmeisters, Michail Tal. In zwei Abteilungen des Schachmuseums werden Exponate von verschiedenen Schachturnieren und Gegenstände präsentiert, die sich auf die Persönlichkeit des „Zauberers von Riga“ beziehen.

Die türkische Hauptstadt Ankara beherbergt ebenfalls ein illustres Schachmuseum. Es wirbt damit, das einzige Schachmuseum zu sein, das ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen wurde. Neben der Sammlung von Schachfiguren sticht auch das Museumscafé „Chaturanga“ hervor. Auch für Kinder gibt es mit Harry-Potter- und Asterix-Schachsets Sehenswertes. Gründer und Namensgeber des Museums ist Schachfanatiker Akın Gökyay.

Auch Holland würdigt die Schachgeschichte mit einem Museum, das einem ehemaligen Weltmeister und FIDE-Präsidenten gewidmet ist: das Max Euwe Centrum in Amsterdam. Das Museumpräsentiert eine Fülle von schönen Fotos, auf denen wir Euwe bei der Arbeit während Turnieren und vor allem in seinem berühmten WM-Duell 1935 sehen. Darin geschah das Wunder: Der Mathematiklehrer an der Mädchenschule in Amsterdam besiegte den brillanten Alexander Aljechin. Auch eine Schachbibliothek gehört zum Inventar, ebenso wie eine Sammlung der Fotos des Schachfotografen Lennart Ootes.

Sicherlich enthält diese Auflistung nicht weltweit alle Schachmuseen, aber die bekanntesten dürften enthalten sein. Zumindest Stand jetzt. Denn im Sommer dieses Jahres (2022) soll ein weiteres Schachmuseum hinzukommen. Europas größtes Schachmuseum gar, in der beschaulichen Stadt Klagenfurt in Österreich. Das Museum basiert auf der Sammlung des Ungarn Zoltan Mali. Museumsdirektorin Melanie Auguszt will über 3.000 Schachsets aus 130 Ländern präsentieren. Mehr erzählen wird sie in Kürze im Schachgeflüster Podcast Interview.
